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Grüne Hoffnung: Wulf Bentlage kniet in der Wüste vor Blumen, die auf Geohumus-Boden wachsen. Unter Einsatz von Wasser dehnt sich das Granulat aus und speichert das 30- bis 35-fache an Feuchtigkeit.
Mit einem neuartigen Wasserspeicher hilft die Firma Geohumus, trockene Böden fruchtbar zu machen. Doch so überzeugend die preisgekrönte Idee ist: Der Weg in den Weltmarkt ist steinig.
Ein Glas voll gelben Sandes, dazwischen einige wenige erdbraune Krümel. Schüttet man Wasser darüber, schwellen die Krümel an, saugen sich mit der Flüssigkeit voll und geben die Feuchtigkeit nach und nach an ihre Umgebung ab. Statt in der Sonne zu verdunsten, statt im Untergrund zu versickern, kommt das Wasser in einem derart präparierten Boden dort an, wo es gebraucht wird: an der Wurzel von Pflanzen.
Nur ein Prozent des Geohumus genannten Granulats im Boden bewirkt, dass er fünfmal so viel Wasser speichern kann wie sonst. Grundlage für diese Superabsorber sind Kunststoffe mit hoher Saugfähigkeit, die ursprünglich ihren Siegeszug in Babywindeln feierten, bevor sie die Gründer des Unternehmens Geohumus International (www.geohumus.com) für den Agrarsektor weiterentwickelten. Die noch kleine Firma findet man im Frankfurter Stadtteil Fechenheim, wo die Chemieindustrie immer schon zu hause war. Das Glas mit dem Sand steht auf dem Schreibtisch des Geschäftsführers Wulf Bentlage.
Sein Produkt ist, keine Frage, revolutionär. Ein grosser Teil der Erdoberfläche besteht aus Regionen, in denen hohe Temperaturen herrrschen und Wasser rar ist – dort könnte Geohumus wahre Wunder bewirken. Auch deshalb erhielt das Unternehmen für das Produkt 2006 den Deutschen Gründerpreis. 2007 kamen der Umweltpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und eine Auszeichnung durch den Bundespräsidenten hinzu.
Man könnte nach all den Lobeshymnen davon ausgehen, dass Wulf Bentlage das Granulat aus den Händen gerissen wird. Im Prinzip ist es auch so. Aber Begeisterung sei nicht gleich Kaufvertrag, erklärt der energische Firmenchef. Er hat im dritten Jahr des Bestehens von Geohumus mit all den Schwierigkeiten zu kämpfen, die kleine Unternehmen bewältigen müssen, wenn sie sich auf dem Weltmarkt durchsetzen wollen.
Vieles, was jetzt auf Wulf Bentlage und seine 15 Mitarbeiter zukommt, hat er sich so nicht vorgestellt. Ursprünglich betrachtete der studierende Mediziner die Beschäftigung mit dem Granulat als eine Investition in neue Patente. Doch die Chancen, die er bald in der Herstellung und Vermarktung witterte, liessen ihn nicht ruhen.
Die wichtigsten potenziellen Kunden sah und sieht er bis zum heutigen Tag in den arabischen Wüstenstaaten. So suchte er Kontakt vor allem zur Herrscherfamilie in Saudi-Arabien und zu den Staaten der Arabischen Emirate. Doch zunächst einmal musste er sich auf eine andere Verhaldlungskultur einstellen und erfahren, dass die Anbahnung eines Geschäfts und die Vertrauensbildung über persönliche Kontakte viel Zeit in Anspruch nahmen – und hohe Reisekosten verursachen. Immerhin: Bei seinem letzten Besuch in Deutschland suchte der saudische König höchstselbst den Kontakt zu Bentlage.
Was die Verbreitung des Produkts aber zusätzlich erschwert, sind die langwierigen Testprozeduren, die jeder Kunde, ob in Japan, Abu Dhabi oder Australien, vorab einfordert. Pflanzen brauchen Zeit um zu wachsen und um zu beweisen, dass sie mit Geohumus nicht nur weniger Wasser verbrauchen, sondern auch üppiger gedeihen. Die Test müssen in jedem Land neu wiederholt werden, denn Sand ist nicht gleich Sand, Witterung ist nicht gleich Witterung. Bis ein Referenz-Golfplatz oder eine Palmenallee entstehen, kann es Jahre dauern.
Und dann sind da noch die bürokratischen Hürden für die mehr als hundert Patentanmeldungen rund um den Globus. Übersetzungskosten, Gebühren – und viel Geduld, die vonnöten ist, wenn man Menschen von einer Innovation überzeugen will. Für ein kleines Unternehmen wie Geohumus sind das wertvolle Ressourcen an Geld, Zeit und Arbeitskraft, die aufzubringen selbst für eine erheblich grössere Organisation eine Herasforderung wäre. Aber Bentlage liebt Herausforderungen. Immerhin ist in der Zwischenzeit eine vollelektronische hypermoderne Produktionsanlage in Fechenheim entstanden, die zurzeit 5000 Tonnen Geohumus im Jahr produziert. Bei voller Auslastung in drei Schichten werden es 25 000 Tonnen sein. Auch hier musste unterwegs der Fahrplan geändert werden. Zunächst dachte Bentlage, am wirtschaftlichsten sei es, die Fabrik gleich nach Saudi-Arabien zu errichten, in der Nähe seiner Kunden. Doch bald stellte es sich heraus, dass die dort vorherrschenden hohen Temperaturen und die fehlende Infrastruktur die Kosten ins Astronomische treiben würden. Aslo blieb es beim Entwurf aus Pappmaschee, den der Firmengründer in einem Holzkoffer aufbewahrt – wer weiss, vielleicht braucht man ihn eines Tages doch noch. Jetzt erst einmal steht die flächendeckende Vermarktung in Deutschland auf der Tagesordnung , denn Geohumus ist auch für die hiesigen Gärtnereien und für Hobbygärtner interessant. Dank des Granulats lässt sich nich t nur Wasser sparen, man kann auch die tägliche Mühe des Giessens reduzieren. Wulf Bentlage ist zuversichtlich, dass spätestens im Sommer Geohumus-Packungen in den Regalen der Baumärkte stehen werden, und das wäre für das Unternehmen ein riesiger Schritt vorwärts. An diesem Tag lässt er das Inlandgeschäft erst einmal hinter sich. Gleich geht es zur Abnahme eines durch Geohumus üppig begrünten Golfplatzes – nach Zypern.
(Quelle: Mobil 03/08)
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